Pflegeeltern

Betreuung von Pflegeverhältnissen und die Akquise geeigneter Pflegepersonen
gem. §§ 27, 33 SGB VIII

Nach den Erziehungsstellen betreut der alpha e.V. seit 2010 auch Pflegekinder und Pflegefamilien. In Wuppertal ist der Bedarf an geeigneten Pflegestellen für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen höher als das Angebot. Wortlaut Jugendamt Wuppertal: „Wir möchten allen Kindern und Jugendlichen Hilfe zur Erziehung in einer anderen Familie anbieten können, für die genau diese Hilfe die geeignete Form ist. Dabei haben wir besonders die Alters­gruppe der 0–17 jährigen Jungen und Mädchen im Blick für die wir verstärkt geeignete Pflegepersonen anbieten möchten.“ 

Zielgruppe 
Es werden solche Kinder und Jugendliche in einer Pflegefamilie untergebracht, deren Herkunftsfamilie mit der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder dauerhaft oder vorübergehend überfordert ist oder Unterstützung und Hilfen benötigt. Dies gilt auch für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und mit Behinderungen. 

Ziele 
Die Rahmenziele der Betreuung von Pflegeverhältnissen basieren auf den Aussagen des Trägerleitbildes sowie auf im Kontext der Mitarbeiterschaft formulierten pädagogischen Leitlinien. Sie liegen insbesondere im Erhalt und der Förderung des Kindeswohls und der individuellen Lebenszufriedenheit, in der Stärkung der kindlichen Persönlichkeit als Basis für eine wachsende Selbstbestimmung und die schrittweise Verselbständigung hin zu einem eigenverantwortlichen Leben. 

Die primäre Aufgabe der Betreuung von Pflegeverhältnissen liegt darin, die Pflegefamilien insbesondere bei der Erreichung folgender Ziele zu unterstützen: 

  • das Bilden eines sicheren, familiärenähnlichen Lebensmittelpunktes
  • der Aufbau und die Pflege von verlässlichen, vertrauensvollen und tragfähigen Beziehungen
  • die Gestaltung eines entwicklungsgerechten Lebensalltags
  • das Erreichen von Verständnis und Akzeptanz der eigenen Lebensgeschichte
  • das Vermitteln von Selbstvertrauen und die Wertschätzung der eigenen Persönlichkeit und die anderer Menschen
  • die Erziehung zu Toleranz
  • das Vermitteln und Vorleben menschlicher, sozialer und gesellschaftlicher Werte und Normen
  • der Aufbau und die Stärkung sozialer und emotionaler Kompetenz
  • das Aufzeigen von Perspektiven und Lebensentwürfen
  • das Heranführen an neue Erfahrungs- und Erlebnissituationen
  • die Befähigung zur Alltags- und Lebensbewältigung durch Vermitteln lebenspraktischer Fähigkeiten und Fertigkeiten
  • die Vermittlung von schulischer und beruflicher Bildung durch individuelle Beratung, Begleitung und Förderung
  • das Anregen und Fördern einer sinnvollen Freizeitgestaltung
  • gegebenenfalls die Rückkehr in die Herkunftsfamilie, die Vermittlung in andere Betreuungsformen oder der Übergang in ein selbständiges Leben

Akquise 
Grundlage der Arbeit in der Betreuung von Pflegeverhältnissen bildet die Gewinnung und Vorbereitung von Pflegestellenbewerbern für die angestrebte anspruchsvolle Tätigkeit. Das Ansprechen und Anwerben geeigneter Personen und Familien für eine Pflegestelle soll sowohl Interesse als auch Neugierde wecken, bereits bestehende Interessen oder Absichten verstärken und deren Umsetzbarkeit ermöglichen. Auch soll Interesse für die unterschiedlichen Formen der Pflege geschaffen werden. 

Leistungen hierbei sind:

  • Kontaktaufnahme und Kooperation mit Informationsmultiplikatoren wie z. B. Ärzte, Erziehungsberatungsstellen, Kirchengemeinden, Schulen, Kindergärten
  • Informationen, Anzeigen und Berichte über die Presse und andere Medien
  • Werbung über bestehende Kontakte zu Pflegefamilien, um über diese an pflegewillige Personen zu kommen
  • Öffentlichkeitsarbeit ist neben der Werbung unverzichtbar. Sie sollte breit angelegt sein und kontinuierlich durchgeführt werden. In besonderen Fällen kann gezielt nach geeigneten Personen für ein spezielles Kind/einen speziellen Jugendlichen unter Berücksichtigung des Datenschutzes gesucht werden.
  • Bekannt machen des Angebots durch professionelle Darstellung
  • Sensibilisierung der Bevölkerung und Abbau von Vorurteilen gegenüber Pflegekindern, Pflegepersonen und Herkunftsfamilien
  • Transparenz und Akzeptanz für das Aufgabengebiet des Betreuungsdienstes.

Inhalte der Öffentlichkeitsarbeit sind: 

  • Erstellen/Verbreiten von Faltblättern, Broschüren und Plakaten
  • Durchführung von Informationsveranstaltungen
  • Informationsstände bei Veranstaltungen
  • Kooperationen/Aktionen mit anderen zur Vollzeitpflege
  • Zusammenarbeit mit Politik, Presse, Funk und Fernsehen
  • Präsentation im Internet.

Information, Beratung, Klärung vor der Aufnahme eines Pflegekindes:

Informationsgespräch 
Für interessierte Personen finden Informations- und Einführungsveranstaltungen bzw. Informationsgespräche statt. Ziel ist die Vermittlung vertiefender Informationen über die Anforderungen, Abläufe, Organisation und rechtlichen Bedingungen der Inpflegenahme, den verschiedenen Formen der Pflegestellen und ihrer spezifischen Erfordernisse. Auch soll hier schon gezielt die Bereitschaft geweckt werden, offen und interessiert im Rahmen der eigenen Möglichkeiten für individuelle Pflegeangebote zu sein.
Zur Vorbereitung auf die Auswahl- und Profilgespräche wird ein Fragebogen, Stichwortkatalog zum Erstellen eines Lebensberichtes, sowie Hinweise für die Genogrammarbeit den interessierten Bewerbern übergeben. 
Bei entsprechender Eignung und bestehendem Interesse der Pflegestellenbewerber wird anhand eines polizeilichen Führungszeugnisses für sie und mit ihnen in häuslicher Gemeinschaft lebenden Personen überprüft, ob dort gegen eine Vermittlung sprechende Eintragungen vorliegen. Dieses wird im Abstand von 5 Jahren erneuert. Ebenso wird eine Schufa-Auskunft eingeholt. 
Gesprächsgrundlage sind die Standards des Jugendamtes Wuppertal zur Eignungsfeststellung von Pflegeelternbewerbern (siehe Anlage 2) 

Auswahl- und Profilgespräche 
Hieran schließen sich in der Regel 3 Gesprächstermine mit den jeweiligen Bewerberfamilien an. Ziel hierbei ist vor allem:

  • eine fachlich begründete Aussage über die persönliche und fachliche Eignung der Familie zu treffen
  • differenzierte Abklärung der Motivation der interessierten Pflegefamilien
  • verlässliche Aussagen zu erhalten, für welche Pflegekinder diese Familie ein geeignetes Lebens- und Entwicklungsfeld bietet und gegebenenfalls auch ein Interesse hierfür zu stärken
  • bei Präferenzen für bestimmte Pflegestellenformen im weiteren Verlauf der Schulung und Vorbereitung die jeweils spezifischen Thematiken gezielt zu verarbeiten.

Schwerpunkte dieser Gespräche sind:

  • Anhand der Fragebögen und Lebensberichte werden die gewonnenen Einblicke und Antworten besprochen und offen gebliebene Sachverhalte erfragt
  • Das Kennenlernen der jeweiligen Pflegefamilie in Form einer Genogrammarbeit, um deren eigene Familie/ Erziehungserfahrungen und Regeln zu besprechen
  • Das Erfassen von Ressourcen und Grenzen des sozialen Lebensraumes und -rahmens der Familie
  • Das Ausloten der jeweiligen möglichen Pflegeressourcen der Bewerber und dementsprechend die Festlegung des Profils des zu vermittelnden Kindes
  • Dabei werden den Pflegestellen seitens des Pflegekinderwesens erarbeitete Optionen aufgezeigt.

Zentrale Elternschulung 
Für Pflegestellenbewerber finden verbindliche Schulungsseminare statt. Die aus unserer Sicht in Frage kommenden Pflegebewerber, nehmen an den ersten drei Abenden an einer zentralen Schulungsreihe teil. Dabei werden grundlegende Themen der Pflege vermittelt und bearbeitet:

  • Rechtliche Grundlagen, Anbahnung und Vermittlungsprozess
  • Pflegeformen und Aufgaben, Bindungstheorien und Erziehungsaufgaben, entwicklungspsychologische Aspekte
  • Bedeutung der Herkunftsfamilie und Kooperationen mit der Herkunftsfamilie
  • Stellung der eigenen Kinder im Fokus der Pflegefamilie
  • Pflegeformen von der Befristung über Dauer, Rückkehr in die Herkunftsfamilie und Adoption
  • Patenschaftssysteme für allein erziehende Pflegepersonen
  • Bildung von Netzwerken

Während dieses Prozesses besteht auch die Möglichkeit, bisher noch nicht erkannte Ressourcen bzw. die „besondere Eignung“ für § 33, Satz 2 festzustellen.

Individuelle Vorbereitung 

Im Einzelfall kann es erforderlich sein, dass Pflegefamilien gezielter auf ihre Aufgabe vorbereitet werden z.B. durch: 

  • Individuelle Elternvorbereitung 
    Für Kinder mit einem besonderen Vermittlungs- und Integrationshintergrund werden Pflegefamilien individuell in der Anbahnungsphase vorbereitet und unterstützt (z.B. bei Behinderungen)

Profilabschluss 
Es wird ein individuelles Bewerberprofil erstellt. Dieses wird in Form einer Reflexion mit der Bewerberfamilie besprochen. Anschließend kommt es zu einer gemeinsamen Absprache über den weiteren Verlauf einer möglichen Pflegekindvermittlung und der geeigneten Pflegestellenform. 
In Absprache mit den Bewerberfamilien werden die erstellten Bewerberprofile und ein Anerkennungsbericht dem Jugendamt zur Verfügung gestellt, so dass dieses frühzeitig einen Überblick hinsichtlich der Kompatibilität zwischen Bewerber und möglichem Pflegekind erhält. Entscheidungen über die Auswahl der Eltern als auch der Kinder werden von jeweils zwei MitarbeiterInnen bzw. vom Team entschieden.

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an:
Petra Hollender
Pflegeeltern
Heinz-Kluncker-Str. 4
42285Wuppertal
Fon: 02 02 - 31 72 00-11
Fax: 02 02 - 31 72 00-12
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